Die über- und unterschätzte Religion
1933 waren über 95 Prozent der Bevölkerung getaufte Christen – und aus genau diesen Gesellschaften ging das größte Menschheitsverbrechen hervor. Zugleich arbeitete das Regime virtuos mit religiöser Symbolik. Dieser Essay entfaltet eine Doppelthese: Religion wird überschätzt, wo man sie für Kräfte verantwortlich macht, die tiefer liegen als jedes Bekenntnis – und unterschätzt, wo man ihre affektkulturelle Intelligenz mit ihrem Inhalt verwechselt und entsorgt. Mit Girard, Feuerbach, Haidt und Rosa: eine Einladung zu einer nüchterneren Beziehung zur Religion – Wachsamkeit ohne Illusion, Wertschätzung ohne Verklärung.

